CHIO 2018 - Weltfest des Pferdesports

NEWS

 

 

Die Pressemitteilungen der Highlights beim CHIO Aachen 2018

 

Aachen, 22. Juli 2018

Marcus Ehning siegt im Rolex Grand Prix: “Das bleibt für immer!”

Was Marcus Ehning heute im Rolex Grand Prix beim CHIO Aachen 2018 gezeigt hat, war nicht nur der Ritt zum Sieg. Es war eine Demonstration schönen Springreitens, Werbung für den Pferdesport und ein bisschen auch der Verdienst des „besten Publikums der Welt“, wie Ehning die Aachener bezeichnet.

Unter den 40 Paaren auf der Starterliste für den Rolex Grand Prix 2018 waren elf deutsche. Drei schafften es in den zweiten Umlauf: das Rolex Grand Prix-Siegerpaar 2016, Philipp Weishaupt und L.B. Convall, sowie die Nationenpreishelden Marcus Ehning mit Pret a Tout und Maurice Tebbel auf Chacco’s Son. Marcus Ehning musste als erster ran und lieferte schon hier einen fehlerfreien Ritt fürs Lehrbuch. Philipp Weishaupt und Convall hatten einen ärgerlichen Fehler gleich im ersten Drittel des Parcours. Maurice Tebbel und Chacco’s Son hatten einen perfekten Lauf und sahen schon wie das sechste Paar fürs Stechen aus. Doch am letzten Sprung traf Tebbel die falsche Entscheidung, analysierte Bundestrainer Otto Becker anschließend. Sein Hengst kam etwas zu dicht ans Hindernis, die Stange fiel. Aus der Rolex-Traum.

Das Stechen

Da waren es nur noch fünf im Stechen. Außer Ehning, dessen bislang einziger Sieg im Großen Preis von Aachen zwölf Jahre her ist, noch der Ire Darragh Kenny auf Babalou, der Brasilianer Pedro Veniss auf Quabri de L’Isle, der Schweizer Olympiasieger Steve Guerdat mit Bianca und die Vorjahres-Zweite Luciana Diniz auf ihrer Superstute Fit For Fun. Darragh Kennys Oldenburger Balou du Rouet-Tochter Babalou hatte ihren Reiter im zweiten Umlauf an der zweifachen Kombination gerettet, als der sich beim Anreiten verschätzt hatte und die Stute anscheinend 1000 Beine bekam, um sich über die Sprünge zu retten. Sie schaffte es. Aber im Stechen schien sie die Kraft verlassen zu haben: drei Abwürfe.
Pedro Veniss und Quabri de L’Isle waren nach ihrem Sieg im Rolex Major von Genf 2016 als Anwärter auf den Rolex Grand Slam zum CHIO Aachen 2017 gereist. Sie konnten aber im Grand Prix nicht antreten, weil der Hengst sich während des Turniers verletzt hatte. Jetzt standen sie im Stechen und hatten die Chance, den Grand Slam erneut in Angriff zu nehmen. Das gelang: fehlerfrei in 41,62 Sekunden. Eine Zeit, die zu schlagen sein würde? Die Antwort gaben rund eine Minute später Marcus Ehning und Pret a Tout.
Die beiden wurden mit frenetischem Applaus im Stadion begrüßt. Rhythmisch klatschend begleiteten die Aachener den Publikumsliebling an den Start. Womöglich hatte das einen Anteil am späteren Erfolg, denn Pret a Tout liebt die Aufmerksamkeit, verriet Marcus Ehning später: „Wenn er in den Parcours reinkommt und hört das Publikum, ist das ein Ansporn für ihn.“ Es hat gewirkt. Wie an der Schnur gezogen cruisten Ehning und der 15-jährige Selle Français-Wallach Pret a Tout über den Stechparcours – eben Ehning-Style: Unaufgeregt, einfach zügiges Galoppieren auf den kürzesten Wegen. Bei 38,34 Sekunden stoppte die Uhr. Aber noch war nichts entschieden.
Olympiasieger Steve Guerdat ist schließlich nicht gerade bekannt dafür, auf Sicherheit zu reiten. Und mit seiner schwedischen Balou du Rouet-Tochter Bianca hat er ein grundschnelles Pferd unter dem Sattel. Doch schon am dritten Oxer bekam die Stute eine Stange zwischen die Beine.
Dann Luciana Diniz und Fit For Fun. Es gehört zum Ritual der beiden, dass sie im Schritt am hingegebenen Zügel zum Start reiten. Ein letzter Moment der Stille, der Konzentration. Im vergangenen Jahr waren sie schon Zweite. Nun wollten sie es wissen. Sie wussten, was zu tun war. Luciana Diniz: „Ich habe Marcus reiten sehen und mir vorgenommen, so mache ich es auch.“ Das klappte bedingt. Die Stangen blieben liegen. Aber an die Zeit von Pret a Tout kam Diniz‘ kleines Springwunder heute nicht heran: 40,96 Sekunden. Diniz trug es mit Fassung: „Ich bin sehr glücklich über Platz zwei. Und es gibt mir Motivation, es weiter zu versuchen.“

Ein Sieg für die Ewigkeit

Und Marcus Ehning? Der hat nun seinen Kindeskindern etwas zu erzählen: „Das ist eine Sache, die für immer bleibt!“ Ansonsten ist er eben ein echter Horseman: „Mein Dank gilt in erster Linie meinem Pferd. Er hat einen unglaublich guten Charakter und kennt seinen Job!“ Üblicherweise bedanken die erfolgreichen Sportler sich dann auch noch beim Sponsor, dank dem Marcus Ehning heute 330.000 Euro mit nach Hause nimmt. Er tat das auch, gab aber zu: „Da bin ich zwiegespalten. Auf der einen Seite bin ich Rolex sehr dankbar, dass sie das hier ermöglichen. Auf der anderen Seite fallen die Stangen an den Rolex-Hindernissen einfach viel zu leicht!“ Das nächste Mal kann er sein Glück an den grün-gelben Sprüngen versuchen, wenn er Ende September in Spruce Meadows als Anwärter im „Rolex Grand Slam of Show Jumping“ an den Start gehen sollte. Das hatte er eigentlich gar nicht geplant gehabt. Nun muss umdisponiert werden. Aber das hat Zeit. Jetzt wird erst mal dieser Erfolg genossen nach einem CHIO Aachen mit insgesamt 362.000 Zuschauern und fantastischem Sport.

Unter den 40.000, die sich heute mit Marcus Ehning gefreut haben, war einer, der besonders mitgefiebert hat: Bundestrainer Otto Becker. „Ich gönne es Marcus! Er ist unheimlich wichtig fürs Team und war Donnerstag ein wichtiger Baustein“, spielte er auf den Sieg im Mercedes-Benz Nationenpreis an (dem dritten in Folge, jedesmal mit Marcus Ehning und Pret a Tout in der Mannschaft). „Außerdem macht er das mit dem Management der Pferde vom Allerfeinsten!“
Es soll ja Leute gegeben haben, die vor Aachen von einer Krise des deutschen Springsports gesprochen haben. Otto Becker: „Die Krise kann weitergehen!“ Zum Beispiel in Spruce Meadows beim nächsten Major des Jahres.

 

Aachen, 22. Juli 2018

Isabell Werths Aufforderung zum Tanz im Deutsche Bank Preis

Die Zuschauer klatschten im Takt, Pferdebesitzerin Madeleine Winter-Schulze wischte sich verstohlen ein Tränchen weg und Isabell Werth ballte die Faust im Triumph. Was für eine Kür sie heute zum Finale des CHIO Aachen 2018 mit Emilio im Deutsche Bank Preis zelebriert hat! Und was für eine fantastische Stimmung im mit 6300 Zuschauern seit Wochen ausverkauften Deutsche Bank Stadion.

Nach der heutigen Kür geht Isabell Werth endgültig als Königin des Deutsche Bank Stadions in die CHIO-Geschichte ein. Zum zwölften Mal siegte sie im Deutsche Bank Preis, damit machte sie das Dutzend Einträge auf der legedären Siegertafel voll. Emilio ist bereits das vierte Pferd, das sie in Aachen zum Sieg reitet. Mit persönlicher Bestleistung von 87,625 Prozent kamen Werth und der zwölfjährige Westfale v. Ehrenpreis aus dem Viereck. Zweite wurde die US-Amazone Kasey Perry-Glass auf ihrem Dänen Goerklintgaards Dublet v. Diamond Hit mit 85,205 Prozent, gefolgt von deren Landsfrau Laura Graves auf Verdades v. Florett As (85,085).

Vierte wurde die Dänin Cathrine Dufour auf Cassidy mit 84,835 Prozent. Helen Langehanenberg war mit Damsey zweitbeste Deutsche auf Rang fünf 82,575. Dorothee Schneider und Sammy Davis. Jr, wurden Siebte (81,295). Dazwischen schob sich mit 82,195 Prozent der Däne Daniel Bachmann Andersen auf Blue Hors Zack, der als einziger Reiter eine Kür hatte, die den Schwierigkeitsgrad 10,0 hat – das macht ein Zehntel der Gesamtnote aus.

Namen, Noten und Nationalitäten bestätigen Isabell Werths Fazit dieser Tage in der Soers: „Das war eine spannende Woche für uns alle!“ Eine Woche mit Favoritensiegen und -stürzen, Überraschungserfolgen und Comebacks, die für Werth mit einem höchst bescheidenen Grand Prix begann, mit dem Sieg im Special weiterging und mit ihrer bislang besten Kür auf Emilio endete. Emilio schien von Lektion zu Lektion an Sicherheit und Selbstverständlichkeit zu gewinnen und tanzte zu perfekt auf ihn abgestimmte Musik von Beethoven, Puccini und Verdi. Als der Braune auf der letzten Mittellinie zur Passage ansetzte, fingen die ersten an, im Takt mitzuklatschen, es wurden immer mehr, Isabell Werth zog die Hand zum Gruß und ritt die letzten Meter bis zur Grußaufstellung einhändig. Kaum angehalten, brandete ohrenbetäubender Applaus auf, Pferdebesitzerin Madeleine Winter-Schulze wischte sich eine Träne weg und Isabell Werth konnte Emilio gar nicht genug loben. Was für ein Ritt. So eine Leichtigkeit, so eine Harmonie, so muss Dressur sein!

Als Werths schärfste Konkurrentin wurde bislang Laura Graves betrachtet. Tatsächlich siegte die US-Reiterin im Grand Prix auf ihrem Verdades. Doch im Special, in dem sie Werth im vergangenen Jahr noch schlagen konnte, erschreckte sich ihr Pferd vor der Kamera und war völlig von der Rolle. Heute in der Kür zeigte der KWPN-Wallach sich wieder von seiner besten Seite. Aber vielleicht fehlte ihm heute der letzte Glanz, der dann am Ende über Sieg oder Niederlage entscheidet.

Jedenfalls gelang es Graves‘ Trainingskollegin Kasey Perry-Glass – beide reiten bei der ehemaligen Olympiateilnehmerin Debbie McDonald – erstmals, an der Olympia-Vierten vorbeizuziehen. Und an allen deutschen Reiterinnen außer Werth. Auch das ist ja ein Statement!
Kasey Perry-Glass war 2016 erstmals in Europa am Start gewesen und sorgte für Furore mit ihrem eleganten Dunkelbraunen. Doch 2017 erlebten die beiden einen ziemlichen Einbruch, auch hier in Aachen. Danach gönnte die Reiterin ihrem Sportpartner eine Pause. „Er brauchte das. Und ich auch. Wir haben das Training geändert, nicht so viele Lektionen geübt und mehr Abwechslung ins Training gebracht. So haben wir wieder zu unserer alten Form zurückgefunden.“ In der Tat – den beiden zuzuschauen wie sie mit größter Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit ihre Kür zur Filmmusik aus „Herr der Ringe“ zelebriert haben, hat einfach nur Freude gemacht. So wie die gesamte Prüfung heute. Ein würdiger Abschluss für die Dressurprüfungen des Weltfests des Pferdesports!

 

Aachen, 22. Juli 2018

Oranje-Fahrer überragend im Preis der schwartz GmbH

An den Niederländern ist beim CHIO Aachen 2018 kein Vorbeifahren. Die Vierspänner aus dem Nachbarland haben heute im Marathon um den Preis der schwartz GmbH die ersten drei Plätze belegt und halten auch in der Nationenpreiswertung weiter die Führung.

Koos de Ronde ist bekannt als starker Geländefahrer und wurde seinem Ruf heute voll gerecht mit 110,77 Minuspunkten. Auf den Plätzen zwei und drei folgte das Vater-Sohn-Duo Bram und Ijsbrand Chardon. Wobei der Junior seinen Vater mit 113,54 Minuspunkten schon wieder hinter sich ließ. Ijsbrand Chardon brachte es auf 114,98 Minuspunkte. Gestern, nach seinem Sieg in der Jagd um Punkte, hatte Bram Chardon noch erklärt, er fühle sich gut vorbereitet auf die Herausforderungen heute im Aachener Marathon – dem ersten seines Lebens. Da hat er nicht zu viel versprochen.

In der Mannschaftswertung liegen die Niederlande mit 312,80 Minuspunkten vor Deutschland (329,140) und Belgien (334,010). Für Deutschland lieferte Georg von Stein die beste Geländeleistung als Vierter mit 115,74 Minuspunkten. Michael Brauchle endete mit 118,72 Minuspunkten als Neunter. Mareike Harm lieferte das Streichergebnis auf Rang 16 (132,88).

In der Gesamtwertung um den Preis der Familie Richard Talbot führt weiterhin Boyd Exell, der ja mit gebrochenem rechten Sprunggelenk am Start ist. Er war im Gelände nicht ganz so flott unterwegs, wie sonst, wurde Siebter. Darauf angesprochen, ob er Schmerzen gehabt habe, lautete die Antwort: „Im Marathon hat man keine Schmerzen!“ Nur die Harten kommen auf den Wagen!
Ihm auf den Fersen sind in der Einzelwertung Ijsbrand und Bram Chardon. Immerhin hier hat der Vater noch die Hosen an. Boyd Exell hat 152,13 Minuspunkte auf dem Konto, Ijsbrand Chardon 157,87 Zähler und Bram Chardon 159,14 Punkte.

Der Tag heute im Marathon um den Preis der schwartz GmbH war nicht für jemanden mit gebrochenem Bein eine Herausforderung! Hochsommerliche Temperaturen erforderten eine hervorragende Kondition und auf dem Kurs waren so viele Zuschauer unterwegs, dass heute Morgen zum ersten Mal keine weiteren Karten mehr verkauft werden konnten. Das sind sich die Fahrer einig: Aachen ist etwas Besonderes! Die vielen Zuschauer fordern von den Pferden besondere Konzentration. Um es mit Michael Brauchle zu sagen, dessen Gespann durch verletzungsbedingte Ausfälle geschwächt war: „In Aachen reicht es nicht, 80 Prozent zu fahren. Hier muss man 100 Prozent geben!“ 

 

Aachen, 20. Juli 2018

Thomas Müller: Das ist einzigartig

Bevor für ihn beim FC Bayern München die Vorbereitung auf die neue Saison losgeht, schaut Fußballprofi Thomas Müller noch beim Weltfest des Pferdesports, CHIO Aachen vorbei. Warum er besonders Ludger Beerbaum und Isabell Werth die Daumen drückt, und was für ihn den CHIO Aachen ausmacht, verriet er im Gespräch.

Frage: Sie und Ihre Frau Lisa sind Stammgäste hier in der Soers, was macht für Sie den CHIO Aachen aus?
Thomas Müller: Alleine die Dimensionen hier auf dem Gelände, die Stadien und die Zeltlandschaft, das ist einzigartig in der Pferdewelt. Die Stimmung, die hier herrscht, und auch zu spüren, wie wichtig es den Reitern ist, hier dabeizusein, das macht Aachen aus.

Frage: Was werden Sie sich anschauen?
Thomas Müller: Wir werden versuchen, in beiden Stadien zu sein und uns morgen auch die Vielseitigkeit anzuschauen. Alles ganz entspannt, wonach uns gerade ist.

Frage: Wem drücken Sie besonders die Daumen?
Thomas Müller: Ich habe ja einen guten Kontakt zu Ludger Beerbaum, wir verstehen uns sehr gut und besitzen auch Fohlen zusammen. Und Isabell Werth ist ja unsere Trainerin, deswegen drücken wir da natürlich besonders die Daumen.

Frage: Wie gut tut Ihnen jetzt die Pause?
Thomas Müller: Wir sind ja immer noch in der Erholungsphase, im Ablenkungsmodus. Nächsten Mittwoch geht es für mich wieder los, aber bis dahin wollen wir die Zeit hier genießen und einfach schöne Momente erleben.
Foto: Bernhard Wamper

 

Aachen, 19. Juli 2018

Ein Sommernachtstraum im Mercedes-Benz Nationenpreis

Sie traten als Titelverteidiger an – aber ob es erneut etwas werden würde mit dem Sieg der deutschen Springreiter im Mercedes-Benz Nationenpreis beim CHIO Aachen? Nach den Ergebnissen der Nationenpreise zu Jahresanfang gab es Zweifel. Doch drei Hoffnungsträger des deutschen Springsports und ein Leitfuchs haben alle Unkenrufer eines Besseren belehrt.

Dr. Carsten Oder, Vorsitzender der Geschäftsleitung Mercedes-Benz Vertrieb Deutschland, flachste in der anschließenden Pressekonferenz: „Anders als beim Fußball sehen wir hier, wie es klappt, Jung und Alt zu mixen.“ Laura Klaphake, Simone Blum, Maurice Tebbel und Routinier Marcus Ehning haben den Sommernachtstraum in der Soers wahr werden lassen. Mit lediglich vier Strafpunkten aus beiden Umläufen siegten sie vor den Teams aus Irland (6 Strafpunkte) und den Niederlanden (9). Und wie sie siegten! Laura Klaphake hatte mit ihrer Stute Catch Me If You Can zwei fehlerfreie Runden in der Soers gedreht, die als Exempel für schönes Springreiten hätten herhalten können. Für sie war der Nationenpreis in Aachen ebenso Premiere wie für Simone Blum und Alice. Die hatten einen Fehler im ersten Umlauf, lieferten aber eine super Nullrunde im zweiten.
Maurice Tebbel hatte auf Chacco’s Son 2017 Aachener Nationenpreis-Premiere – und feierte so schon seinen zweiten Triumph in der Soers nach einer tollen fehlerfreien Runde eins und einem Abwurf im zweiten Umlauf, den er sich so erklärte, dass sein sonst so vorsichtiger Hengst leicht weggerutscht war im Absprung und nicht genügend Halt hatte, um sich kraftvoll vom Boden abzudrücken.
Marcus Ehning witzelte in der Pressekonferenz, er sei schon so alt, er könne nicht mehr zählen, wie oft er in Aachen schon für Deutschland geritten ist. Fest steht, er war die letzten beiden Male dabei als der Mercedes-Benz Nationenpreis nach Deutschland ging. Und heute lieferte er den entscheidenden Ritt zum Sieg.

Der Ritt zum Sieg

Als erfahrenster Reiter spielte Ehning mit seinem französischen Fuchs Pret a Tout eine Schlüsselrolle fürs Team. So hatte Bundestrainer Otto Becker ihn als Schlussreiter auserkoren, der ja nicht selten über Sieg oder Niederlage zu entscheiden hat. Das war auch heute so. Als Ehning einritt, lag Deutschland mit einem Punkt Vorsprung in Führung. Bliebe er null, wäre dem Team der Sieg sicher. Auf der Teilnehmertribüne hielten sich Simone Blum und Laura Klaphake eng umschlungen und zitterten bei jedem Hindernis – hier geht’s zum Facebook-Video. In der ersten Runde hatten Ehning und sein Hiram Chambertin-Sohn einen Abwurf. Würde es diesmal klappen? 40.000 Zuschauer wurden mucksmäuschenstill. Ein Hindernis nach dem anderen gelang fehlerfrei. Aber so ein Nationenpreisparcours ist lang! Als Ehning die dreifache Kombination problemlos hinter sich gebracht hatte und auf das letzte Hindernis zusteuerte, wurden die ersten Stimmen laut. Zischen von allen Seiten: „Pssssst!“ Konzentration! Schließlich kann auch hier noch eine Stange fallen! Doch Pret a Tout kennt seinen Job. Auch das letzte Hindernis meisterte er ohne die geringsten Probleme. Ein Aufschrei ging durch die Soers. Ohrenbetäubender Applaus, Deutschlandfahnen, Riesenfreude! Geschafft!

Coole Youngster

Als er zum Abreiteplatz kam, platzte es aus Bundestrainer Otto Becker heraus: „Geile Truppe!!! Wie die zusammenhalten, wie die kämpfen – einfach toll! Und wie die Youngster das hier gemacht haben – so etwas von cool!“ Der deutsche Springsport ist in einer Umbruchphase. Altbewährte Kräfte stehen aktuell nicht zur Verfügung, dafür aber die Kraft der Jugend. Der Anfang der Saison war „etwas holprig“, gab Otto Becker zu. Dann folgte ein zweiter Platz beim CHIO Rotterdam, wo ebenfalls Laura Klaphake – die übrigens seit drei Jahren Mitglied der von Rolex initiierten European Young Riders Academy ist und im Rahmen dessen regelmäßig mit Franke Sloothaak trainiert – und Catch Me If You Can mit zwei fehlerfreien Runden die beste Teamleistung geliefert hatten. Das war also alles andere als eine Eintagsfliege heute. Hat sie ein Erfolgsgeheimnis? „Ich küsse mein Pferd vor dem Einritt!“ Ob es daran liegt oder daran, dass die Stute derzeit einfach „in der Form ihres Lebens ist“ (Laura Klaphake) weiß man nicht, aber feststeht: So sehen Sieger aus! Klaphakes Fazit nach ihrem ersten Nationenpreis in Aachen: „Ein Traum ist wahr geworden, erstens, weil ich überhaupt im Team reiten durfte, zweitens, weil wir dann auch noch gewonnen haben.“

Simone Blum und Alice, die vor Aachen nur ein Turnier zur Vorbereitung hatte, weil sie im Frühjahr ein paar Wochen hatte pausieren müssen, hinterließen ebenfalls einen hervorragenden Eindruck. Eine völlig überwältigte Simone Blum meinte: „Ich kann es einfach nicht glauben! Das war ein fantastischer Tag, ein fantastisches Team und ich bin stolz auf uns alle!“ Und ein Marcus Ehning, der hier schon so oft in der Soers unterwegs war, dass er es gar nicht mehr zählen kann, betonte: „Wenn man einmal hier gewinnt, dann möchte man immer wieder hier gewinnen! Nun ist uns das dreimal hintereinander gelungen. Da ist man einfach nur glücklich!“ Und mit einem Seitenblick auf seine Mannschaftskollegen lobte der Olympiasieger mit der Mannschaft: „Die jungen Reiter haben wirklich eine tolle Leistung abgelegt!“

Eine gute Nachricht hatte noch Dr. Carsten Oder mitgebracht: „Mercedes-Benz ist hier seit 64 Jahren Partner, wir haben entschieden, auch noch das 65., 66. und 67. Jahr zu bleiben.“

Dieser Sieg war auch dem verstorbenen Hans Günter Winkler gewidmet. Alle vier Reiter trugen eine schwarze Armbinde in Gedenken an die Legende des Springsports. Der große „HGW“ hätte ganz sicher seine Freude an diesem Abend in der Soers gehabt.


 

Aachen, 18. Juli 2018

Henrik von Eckermann mit Leihpferd zum Turkish Airlines-Preis von Europa

Mehrfach schon hatte der Schwede Henrik von Eckermann sich in Aachen gut platzieren können. Aber noch nie hat es für einen Sieg in einer der Hauptprüfungen gereicht. Heute, im Turkish Airlines-Preis von Europa, war es so weit – und das auf einem Pferd, das er sich eigens für „das Turnier der Turniere“ (von Eckermann) ausgeliehen hat.

Die Rechnung von Parcourschef Frank Rothenberger war voll aufgegangen – zehn bis zwölf Paare hatte er sich für das Stechen um den Turkish Airlines-Preis von Europa gewünscht. Elf Reiter blieben fehlerfrei im Normalparcours. Mit dabei: Henrik von Eckermann auf Castello, einem erst zehnjährigen Westfalen v. Cristallo.

Für die beiden ist Aachen erst das dritte gemeinsame Turnier. Sie kennen sich allerdings schon eine ganze Weile länger – der Schimmel gehört der schwedischen Familie Tovek, deren Tochter Evelina seit gut einem Jahr von Henrik von Eckermann trainiert wird. Als Henrik von Eckermann Castello das erste Mal international ritt, qualifizierte er sich mit dem Sieg im Großen Preis beim CSIO5* von Sopot, Polen, auf Anhieb für den Rolex Grand Prix von Aachen. Er wusste: Wenn er hier beim CHIO eine Chance haben will, dann mit Castello. Also fragte er die Familie Tovek, ob sie ihm das Supertalent noch einmal leihen würden. Und nun ist er hier. Und hat den ersten großen Sieg in der Tasche. Für ihn keine Überraschung: „Er passt so etwas von gut auf diesen Platz mit seinem Vermögen und seinem großen Galoppsprung!“ Das war es auch, was ihm heute im Stechen half: „Ich kann Wendungen sehr eng reiten und weiß, mein Pferd könnte auch noch aus dem Stand einen großen Oxer springen.“ So stoppte die Uhr für die beiden bei 47,30 Sekunden.

Zu schnell für die Weltcup-Sieger des Jahres 2017, McLain Ward (USA) und HH Azur, die Thunder van de Zuuthoeve-Tochter, die ihren Reiter auch schon zu Mannschaftssilber bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro getragen hatte. Sie verfügt über dieselben Fähigkeiten wie Castello, musste sich heute aber um 0,26 Sekunden geschlagen geben – Platz zwei.
Dritter wurde ein sehr glücklicher Marcus Ehning auf seinem „Herzenspferd“, wie er den 13-jährigen westfälischen Hengst Funky Fred nennt. Mit der Mutter des bunten Fuchses, der Stute Panama, war Marcus Ehning sein erstes CHIO geritten. Ein paar Jahre später startete er hier mit For Pleasure, dem Vater von Funky Fred. Und nun feiert der selbst gezogene Sohn hier Erfolge, diesmal Rang drei im Turkish Airlines-Preis von Europa. Was für Ehning wichtig war: „Zwei Nullrunden geben einem ein sicheres Gefühl für die kommenden Tage.“

Zwei Stürze gab es im Stechen. Der US-Reiterin Laura Kraut mit Confu war nichts passiert. Der Brasilianer Yuri Mansur und der Hannoveraner Hengst Vitiki kamen am DHL-Oxer zu Fall. Der Hengst hat sich eine Verletzung des Fesselbeines zugezogen und wurde für die weitere Behandlung in eine Spezialklinik gebracht.


Dem Sieger gratulieren Veysel Serdar, Turkish Airlines Vice President of Sales (rechts) und Wolfgang Mainz, Mitglied des ALRV-Aufsichtsrats. Foto: Bernhard Wamper

 

Aachen, 17. Juli 2018

Ein chinesisches Sommermärchen in der Soers

Mal leise, mal laut, mal philosophisch, mal kämpferisch – die Eröffnungsfeier beim CHIO Aachen 2018 war farbenfroh und voller Überraschungen!

Das Partnerland China präsentierte ein kulturelles, artistisches und musikalisches Spektakel der Extraklasse! Das ganze vor seit Wochen ausverkauftem Haus. 40.000 Zuschauer ließen sich dieses Open-Air-Schauspiel unter Flutlicht und mit der untergehenden Sonne als Kulisse nicht entgehen. Rund 250 Pferde und rund 1000 Mitwirkende, darunter viele Statisten, machten den 90-minütigen offiziellen Auftakt des Weltfests des Pferdesports zu einem stimmungsvollen Abend.

Aber noch bevor die deutsche Springreiterin Laura Klaphake und ihre chinesische Kollegin Mei Mei Zhu – die einzige chinesische Starterin in diesem Jahr – den CHIO Aachen 2018 mit einer kurzen Begrüßung offiziell eröffneten, wurde zunächst mit einer Gedenkminute eines außergewöhnlichen Springreiters gedacht: Hans Günter Winkler, der Anfang Juli starb. Ein bewegender Moment im Hauptstadion. Am Mittwoch wird es am späteren Nachmittag eine kleine Erinnerungsfeier für „HGW“ geben.
Unter dem Motto „Huanying China“ ( „Herzlich Willkommen“) zauberten viele Gruppen die Faszination des Partnerlandes anschaulich auf den „Heiligen Rasen“. Nicht nur eine Kung Fu-Show mit 60 Kung Fu Kämpfern, eine 100 Reiter und 100 Tänzer umfassende Reit- und Tanzchoreographie im Zeichen von „Yin & Yang“, die Terrakotta Armee sowie Löwen- und Drachentanz waren Teil der Show. Aus Aachen beteiligte sich zudem der Kinderchor der chinesischen Schule, der von Mezzosopranistin Sissi Qi Wang und 150 Kindern mit chinesischen Lampions begleitet wurden. Dazu zeigte der Aachener Traditionsverein der chinesischen Wissenschaftler und Studenten eine getanzte Modenschau, gekleidet in traditionelle chinesische Trachten.

Zu den Highlights des Abends gehörte ohne Frage der Auftritt des Chinesischen Nationalcircus, dessen Artisten auf mit Lampions geschmückten Bühnenwagen mit Vasenjonglage, Diabolo, Kontorsion, Handstand und Tai-Chi beim Publikum für staunende Gesichter sorgten. Mit Kraft, Power und jeder Menge Rhythmus im Blut begeisterten auch die Trommlerinnen der Formation „Manao Drums of China“. Bereits die Olympischen Spiele in Peking im Jahr 2008 eröffneten sie mit einem Trommelwirbel, zehn Jahr später gaben sie nun in der Soers ihre fesselnden musikalischen Choreografien zum Besten. Krönender Abschluss der Eröffnungsfeier war ein buntes Feuerwerk, das in den abendlichen Soerser Himmel entsandt wurde.

 

Aachen, 17. Juli 2018

Prominente Gäste bei der Media Night

Der Rote Teppich wird beim renommierten Weltfest des Pferdesports, CHIO Aachen, traditionell den Pferden ausgerollt. Doch an einem Abend verlagert sich das Interesse der Fotografen auf den Eingang des Champions' Circle, wenn dort die Gäste aus Medien und Sport, Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zur CHIO Aachen Media Night ankommen.

Es ist DER Gala-Abend bei Deutschlands größtem Sportereignis. Und er ist immer auch Laufsteg für viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Für Lilly Becker war es der erste öffentliche Auftritt nach der Trennung von Gatte Boris Becker. An der Seite von Unternehmer Jens Hilbert kam sie nach Aachen, „es ist eine völlig neue Welt für mich, sehr aufregend und sehr schön.“ Auch Schauspielerin Uschi Glas, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Schauspieler Heino Ferch samt Gattin Marie-Jeanette fühlten sich sichtlich wohl, ebenso wie Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet oder Elisabetta Canalis. Das Model war auf Einladung von Co-Gastgeber Hermann Bühlbecker in die Soers gekommen. Alle Gäste genossen nicht nur die Media Night, sondern ließen sich bei der CHIO Aachen-Eröffnungsfeier in den Bann des diesjährigen Partnerlandes China ziehen. Anschließend wurde im Champions' Circle bis tief in die Nacht weiter gefeiert – bei erlesenem Catering unter anderem von Star-Koch Harald Wohlfahrt.

 

Aachen, 16. Juli 2018

Huanying China

Es ist zur längst Tradition geworden, dass das Partnerland des CHIO Aachen auf dem Aachener Marktplatz empfangen wird. Und so strömten auch am Montagabend die Aachener vor das historische Rathaus, um dabei zu sein, als sich das diesjährige Partnerland China mit einer spannenden Show aus Akrobatik, Musik, Kultur und Tanz im Herzen der Stadt präsentierte - und so einen kleinen Vorgeschmack auf die Eröffnungsfeier (20.15 Uhr WDR live) gab.

„Wir haben heute nicht nur besonderes Wetter bestellt, sondern auch ein besonderes Partnerland an unserer Seite. Ganz Besonders freue ich mich darüber, dass die Gemeinschaft der in Aachen lebenden Chinesen heute bei diesem Empfang und morgen bei der Eröffnungsfeier mitmacht“, so Carl Meulenbergh, Präsident des CHIO-Veranstalters Aachen-Laurensbregr Rennverein e.V. (ALRV). Oberbürgermeister Marcel Philipp wies in seinen Begrüßungsworten darauf hin, dass China schon seit Jahrzehnten einen festen Platz in der Kaiserstadt hat: „Es gibt zahlreiche Verbindungen zwischen Aachen und China. Wir haben seit 32 Jahren eine Partnerschaft mit Ningbo, es gibt Schüleraustausche, Wirtschaftsbeziehungen und viele Besucher aus China. Es ist jetzt eine große Freude, das auch im Pferdesport zelebrieren zu können.“

Noch bevor der außergewöhnliche Kutschenkorso mit den Aachener Stadtreitern und den Standartenreitern an der Spitze um 18 Uhr den Marktplatz erreichte, stimmten das CHIO-Maskottchen Karli und Musiker Liang Dong auf das einstündige Open-Air-Fest ein. Es folgte eine phantasievolle, teils mit Poesie gespickte, Show. Nicht nur zwei Pferde aus der weltberühmten Terrakotta Armee stolzierten über das Kopfsteinpflaster, auch der Löwentanz – ein alter fernöstlicher Brauch zu Trommeln und Zimbeln – war mit von der Partie. Gelenkigkeit, jede Menge Geschick und Ästhetik bewiesen verschiedene Künstler des Chinesischen Nationalcircus, welche die chinesische Akrobatikkunst mit ihrer 2000-jährigen Geschichte aufleben ließen.

Auch die in der Kaiserstadt lebende chinesische Gemeinschaft war Teil des Programms. Der Kinderchor der chinesischen Schule gab ein poetisches Lied zum Besten – eine Ode an die Jasminblüte. Begleitet wurden die jungen Musiker von der Mezzosopranistin Sissi Qi Wang, dem A-cappella-Chor der RWTH Aachen und dem traditionellen Instrument Erhu gespielt von Yao Wang. Der Traditionsverein der chinesischen Wissenschaftler und Studenten Aachen verzauberte mit einer „getanzten“ Modenschau, bei der phantasievolle Kleidungen aus unterschiedlichen chinesischen Dynastien gezeigt wurden. Hier traf Moderne auf Tradition! Zum Finale bewiesen vier junge Damen regelrechte „Schlagfertigkeit“. Die Gruppe „Manao – Drums of China“ eröffneten bereit 2008 die Olympischen Spiele in Peking. Nun sorgten sie mit ihrer Kunst an den Schlagwerken für einen gewaltigen Trommelwirbel in Aachen.

Aus Düsseldorf reiste zudem Wenbo He, Konsul für Kultur vom Generalkonsulat der Volkrepublik China, an: „Es hat mich sehr gefreut, dass China als diesjähriges Partnerland für das Weltfest des Pferdesports ausgewählt wurde.“ NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der diese Veranstaltung auch schon im vergangenen Jahr besucht hatte, kündigte an: „Ich freue mich sehr über dieses Partnerland. Gleichzeitig können wie den chinesischen Gästen zeigen, wie gut Aachen ein solches sportliches Großereignis gestalten kann.“

 

Aachen, 15. Juli 2018

Voltigieren: Spannende Duelle am Finaltag

Nationenpreis

Das CHIO-Wochenende im Juli 2018 war ein voller Erfolg für die deutschen Voltigierer, die alle großen Prüfungen um den Preis der Sparkasse für sich entscheiden konnten. Zum krönenden Abschluss holten sie auch noch die ersten beiden Plätze im Nationenpreis – und lieferten sich dabei ein verdammt spannendes Duell!

In der Albert-Vahle-Halle auf dem Turniergelände wartete alles gespannt auf die beiden favorisierten Teams: Deutschland II mit dem Team Norka des VV Köln-Dünnwald sowie den Einzelvoltigierern Thomas Brüsewitz und Sarah Kay und Deutschland I mit Kristina Boe, Jannik Heiland und den Gruppensiegern von gestern, Fredenbeck I.
Deutschland II musste als erstes ran. Thomas Brüsewitz, das Team Norka, Kristina Boe und Jannik Heiland überzeugten, legten 25,479 Punkte vor.
Und dann war es so weit: Bühne frei für Fredenbeck, das Team Deutschland I! Insbesondere die Gruppe turnte die Kür ihres Lebens. Die Herzen des Publikums hatten sie schon gestern erobert. Aber als Viktor Brüsewitz gegen Ende des Programms die neunjährige Mirja König stehend auf seinem seitlich ausgestreckten Arm in der Luft balancierte, da blieben die Münder staunend offen stehen. Aber würde es reichen, um die Kölner, die designierten WM-Teilnehmer in Tryon, hinter sich zu lassen?
Es reichte. Mit einem Gesamtergebnis von 26,276 Punkten setzte sich die Truppe gegen Deutschland II (25,479) und Österreich durch (24,482). Auf den Plätzen folgten Italien (23,506), Schweiz I (23,195), USA (22,914), Schweiz II (22,172) und Russland (19,049).
Die Fredenbecker konnten ihr Glück kaum fassen: „Das ist einfach unbeschreiblich! Das hätten wir nie für möglich gehalten“, hieß es da. Und: „Man kann das einfach nicht in Worte fassen!“ Die fand dafür die Bundestrainerin Ursula Ramge, die sagte: „Die Fredenbecker sind hier über sich hinaus gewachsen!“ Lob gab es auch für die anderen Athleten. Aber das sei den Erwartungen entsprechend gewesen, so die Equipechefin, die wieder einmal feststellte: „Hier in Aachen herrschen beste sportfachliche Bedingungen. Und die Atmosphäre, die ist wie bei einer Weltmeisterschaft.“


Pas de Deux

2017 waren Torben Jacobs und Theresa-Sophie Bresch als Bonnie und Clyde zum Pas de Deux beim CHIO Aachen angetreten. Dieses Jahr verwandelten sie die Albert-Vahle-Halle in eine Stierkampf-Arena und tanzten Paso Doble zum Sieg.

Der Applaus brandete auf, noch ehe Theresa-Sophie Bresch und Torben Jacobs ihren Abgang nach der letzten Figur ihrer Kür auf Danny Boy an der Longe von Alexandra Knauf gemacht hatten. „Wir hatten uns vor allem vorgenommen, hier Stimmung in die Halle zu bringen“, berichteten die beiden hinterher. Man darf wohl sagen: Das ist ihnen gelungen! Zu mitreißenden spanischen Rhythmen zelebrierten die beiden sämtliche Höchstschwierigkeiten ihres Programms, das sie als eine Mischung zwischen Paso Doble und Stierkampf bezeichnen. Der Lohn: 9,066 Punkte für den heutigen Auftritt. Platz zwei ging an die Vorjahressieger aus Italien, Silvia Stopazzini und Lorenzo Lupacchini auf Rosenstolz an der Longe von Laura Carnabuci. Dritte wurden mit 8,478 Punkten Jolina Ossenberg-Engels und Timo Gerdes auf Caram OE (Longe: Claudia Döller-Ossenberg-Engels).

3500 Zuschauer kamen an den drei Voltigier-Tagen in die Albert Vahle-Halle, wobei der Samstag und Sonntag mit jeweils 1300 Zuschauern ausverkauft waren.


 

Aachen, 15. Juli 2018

30.000 beim Soerser Sonntag

Der Ort: Perfekt. Das Wetter: Perfekt. Die Stimmung: Perfekt. Der Soerser Sonntag, der traditionelle Tag der offenen Tür beim CHIO Aachen, hatte in diesem Jahr alles, was einen perfekten Tag ausmacht. Rund 30.000 Menschen kamen am Sonntag auf das Turniergelände in der Soers.

Auf sie wartete bei freiem Eintritt ein abwechslungsreiches Programm. Nicht nur das CHIO Village mit mehr als 210 Ausstellern und verschiedenster Gastronomie war richtig gut besucht, sondern auch die zahlreichen Attraktionen, die an vielen Ecken zum Verweilen, Staunen und Mitmachen lockten. „Die Aachener lieben ‚ihren‘ Soerser Sonntag einfach. Viele planen ihn schon seit Jahren als festen Familienausflug ein“, sagte Turnierleiter Frank Kemperman. „Als wir diesen Tag der offenen Tür vor genau 20 Jahren ins Leben gerufen haben, war er als einmaliges Geschenk an die Aachener geplant. So kann’s gehen (lacht). Heute waren 30.000 Menschen hier, das Wetter hat gepasst – ein perfekter Tag. So darf es weitergehen“, so Kemperman.

Traditionell startete der Tag um 11.30 Uhr im Deutsche Bank Stadion mit einem festlichen ökumenischen Gottesdienst unter dem Motto „Arche Noah“. Ein Kinderchor sorgte bei der Veranstaltung unter freiem Himmel für schöne musikalische Akzente. Den offiziellen Startschuss gab es allerdings erst um 13 Uhr auf dem Abreiteplatz Springen, dem ein kunterbuntes Unterhaltungsprogramm folgte. Schnell waren die besten Plätze direkt am Rande der „grünen Bühne“ belegt. Denn jeder wollte beste Sicht auf die außergewöhnlichen Showacts genießen. Unter dem rasanten Motto „Shetty PS, mit Vollgas in die Ferien“ eroberten zunächst quirlige Shetlandponys des Fahrvereins St. Medarus Zülpich den Trainingsplatz. Shettys brachte auch der Fohlenhof Farbenfroh mit nach Aachen und verzückte die Zuschauer mit seinem Schaubild „Miniatur-Hofreitschule“. Die Pony-Prognose zum heutigen WM-Finale (die übrigens Frankreich als klaren Sieger vorhersagte), Fohlen, ein Schaubild zum Thema „Indianer und Cowboys“ der Reitschule Biesenbach und beeindruckende Mustangs komplettierten das Programm. Zwischendurch wurden anschaulich die fünf Disziplinen beim CHIO Aachen präsentiert und erklärt.

Für die kleinen Besucher gab es aber noch viel mehr zu entdecken: Ponyreiten stand ebenso zur Auswahl wie die Besichtigung der Spieleanhänger der Rheinischen Landjugend entlang des Fahrstadions und der spannende „Kinderlehrpfad“, bei dem mit einer Stempelkarte ausgerüstet verschiedene Stationen abgelaufen werden konnten. Auf alle fleißigen Sammler wartet zum Schluss ein kleines Geschenk am CHIO Aachen Fan Shop. Selbstverständlich drehte auch das süße CHIO-Maskottchen Karli seine Runden über das Turniergelände und stand für Erinnerungsschnappschüsse bereit.

Im Rahmen der Charity-Kooperation „Aktion Glücks-Bringer“ haben sich am Soerser Sonntag außerdem die vier Therapiehöfe aus der Region dem Publikum mit einem eigens zusammengestellten Programm präsentiert, während Spendensammler auf dem gesamten Turniergelände für diese Aktion sammelten. In diesem Jahr feierte die karitative Initiative bereits ihr 20-jähriges Jubiläum.
Foto. Bernhard Wamper

 

Aachen, 14. Juli 2018

Voltigieren: Entscheidungen im Preis der Sparkasse

Damen: Kristina Boe gewinnt mit Botschaft

Kristina Boe voltigiert diese Saison in einer eigenen Liga. So siegte sie heute überlegen in der Damenkonkurrenz um den Preis der Sparkasse beim CHIO Aachen 2018. Ausschlaggebend war die fantastische Kür, in der für die Hamburgerin nicht nur der sportliche Aspekt eine große Rolle spielt.

Mit 8,186 Punkten setzte sich die Unfallchirurgin Kristina Boe auf Don de la Mar an der Longe von Winnie Schlüter gegen die Konkurrenz aus dem eigenen Land durch: Sarah Kay wurde Zweite mit 7,927 Punkten vor Janika Derks, bei der am Ende 7,902 Zähler auf dem Konto standen. Neben den drei Erstplatzierten lieferte auch Corinna Knauf eine hervorragende Kür, mit der sie in der Endabrechnung Sechste wurde (7,688). Die Plätze dazwischen machten die Italienerinnen Anna Cavallaro (7,809) und Silvia Stopazzini (7,728) unter sich aus.

In ihrer neuen Kür hat sich Kristina Boe von der britischen Verhaltensforscherin Jane Godall inspirieren lassen, die im Afrika der 1970er-Jahre maßgebliche Erkenntnisse über das Verhalten von Schimpansen gesammelt hat und schließlich von der Beobachterin zur Aktivistin wurde, um sich für die Rechte der Tiere und die Umwelt einzusetzen. „Ich habe diese Kür schon lange im Kopf gehabt“, berichtete Kristina Boe nach ihrem grandiosen Auftritt, für den sie 9,862 (!) Punkte erhielt. „Ich fand die Idee schön, die positiven Botschaften dieser beeindruckenden Frau weitergeben zu können!“ Das ist ihr gelungen. Die Weltcup-Siegerin, die zuletzt 2016 beim CHIO Aachen siegreich gewesen war, turnte eine herausragende Kür, zu der Bundestrainerin Ramge vielsagend bemerkte: „Das war erwartungsgemäß!“


Training statt Party: Fredenbeck krönt Aachen-Premiere mit Gruppensieg

Spannend bis zur letzten Minute war die Entscheidung der Gruppen im Preis der Sparkasse beim CHIO Aachen 2018. Am Ende setzten sich die Voltigierer von Fredenbeck I durch, die hier von null auf hundert durchgestartet sind.

Zum ersten Mal konnte sich Fredenbeck I für den CHIO Aachen qualifizieren. Allein das war schon ein Riesenerfolg für die Mannschaft um Longenführerin Gesa Bührig mit Viktor Brüsewitz, Kevin Greiner, Magdalena Holysz, Mirja Krone, Wienke Rademakers und Malte Möller. Nach der Pflicht am Freitag lagen sie in der Zwischenwertung an dritter Stelle. Heute kam es drauf an. So lange haben sie für diesen Moment trainiert. So mancher Geburtstag und manche Abi-Party mussten hinter dem Training zurückstehen, verriet Magdalena Holysz, die eine der Voltigiererinnen der ersten Stunde in Fredenbeck ist. Zusammen mit Longenführerin Gesa Bührig und Pferd Wizaro hatten sie und auch noch andere Mitglieder der Gruppe sich von der Klasse A, also der Basis, bis zum CHIO Aachen nach oben gekämpft. Heute war nun der große Tag.
Alles klappte. Die vielen Trainingsstunden – jetzt zahlten sie sich aus. Nach der finalen Hebefigur und dem letzten Abgang brach tosender Applaus los in der Aachener Albert-Vahle-Halle. Eine super Kür! Longenführerin Gesa Bühring fand zwar, es hätten wohl „alle Übungen geklappt, aber wir waren heute nicht so im Flow“, doch den Richtern hatte es offenbar genauso gefallen wie dem Publikum: Satte 8,689 Punkte gaben sie. Doch noch war alles offen. Zwei Mannschaften kamen noch, beide rangierten in der Zwischenwertung vor den Fredenbeckern.

In Lauerposition hatten nach der Pflicht die Österreicher vom UVT Eligius auf Leokado an der Longe von Cornelia Trimmel gelegen. Sie turnten ihr Programm ohne große Patzer durch, aber nicht mit der Ausstrahlung, mit der die Fredenbecker in ihrer Kür zum Motto Faust das Publikum in ihren Bann gezogen hatten. 8,166 Punkte vergaben die Richter für die österreichische Mannschaft mit Theresa Tiel, Dominik Eder, Simone Bauer, Stefan Csandl, Chiara Christ und Isabel Fiala.

Und dann kam die letzte Mannschaft, die Favoriten, das Team Norka des VV Köln-Dünnwald, das dank seiner Spitzenform in dieser Saison bereits gesetzt ist für die Weltreiterspiele in Tryon im September. Im vergangenen Jahr hatten die Kölner sich dem Team vom RSV Neuss Grimlinghausen knapp geschlagen geben müssen. Die Neusser waren dieses Jahr gar nicht am Start. Der Weg wäre also frei gewesen das Team Norka. Theoretisch.
Doch ein dringendes Bedürfnis von Picardo an der Longe von Patric Looser machte den Kölnern einen Strich durch die Rechnung. Der Wallach legte mitten in der Kür einen Stopp ein, erleichterte sich, galoppierte zunächst im falschen Galopp an, ehe Patric Looser ihn zum Umspringen bewegen konnte. Das kostete Punkte. Bis dahin waren die Kölner super unterwegs gewesen. Und auch nach dem Zwischenfall turnten sie ihre Kür tapfer zu Ende. Doch das zweitbeste Ergebnis (8,173) reichte am Ende nicht, um die Fredenbecker in der Gesamtwertung abzufangen. Die siegten mit einem Endergebnis von 7,858 Punkten vor dem Team Norka (7,768) und dem UVT Eligius (7,624).


Hattrick für Thomas Brüsewitz im Preis der Sparkasse

Zum dritten Mal hintereinander sicherte sich Thomas Brüsewitz die Einzelwertung der Herren um den Preis der Sparkasse beim CHIO Aachen. Kein Zufall!

Thomas Brüsewitz kommt gerne nach Aachen: „Definitiv mein internationales Lieblingsturnier!“ Kein Wunder! 2016 stand er hier ganz vorne, 2017 ebenso und 2018 wieder. Mit 8,219 Punkten setzte Brüsewitz sich gegen seinen ehemaligen Trainingskollegen und Mitbewohner Jannik Heiland durch (8,168). Dahinter reihte sich der aktuelle Weltcup-Sieger ein, Jannik Drewell (8,023).

Den Grundstein für den Erfolg legte Brüsewitz mit einer super Pflicht, der ersten von insgesamt drei Prüfungen auf dem Weg zum CHIO-Titel Nummer drei und dem ersten Aachen-Einzelsieg mit Danny Boy an der Longe von Patric Looser. In der Technik wurde er Dritter, die Kür gewann er – mit gerade mal einem tausendstel Punkt Vorsprung vor Jannik Heiland. Brüsewitz erhielt 8,752 Punkte, Heiland 8,751 Zähler. Knapper geht es wirklich nicht!
Aber jetzt müssen alle Beteiligten ihre Form erst mal abrufen, wenn es morgen um den Nationenpreis geht! Der ist allerdings nicht die einzige Entscheidung im Preis der Sparkasse , die für den Soerser Sonntag auf dem Programm steht beim CHIO 2018. Als erstes sind die Paare an der Reihe. Auch hier haben die Deutschen gut vorgelegt. Nach der heutigen ersten Runde führen die beiden amtierenden Weltcup-Sieger im Pas de Deux, Torben Jacobs und Theresa-Sophie Bresch, auf Holiday on Ice an der Longe von Alexandra Knauf mit 8,630 Punkten. An zweiter Stelle rangiert das italienische Duo Silvia Stopazzini und Lorenzo Lupacchini auf Rosenstolz (Longe: Laura Carnabucci) mit 8,479 Zählern, gefolgt von und Jolina Ossenberg-Engels und Timo Gerdes auf Caram OE (Longe: Claudia Döller-Ossenberg-Engels), die aktuell 8,371 Punkte auf dem Konto haben. 

 

Redaktion: Bernhard Wamper 23.07.2018 / Alle Pressemitteilungen: CHIO Aachen/ALRV

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